Park oder Parkgarage

© LinzWiki.at/Christian Wirth

Stadtbäume, nur schmückendes Beiwerk?

Bäume und Parks sind prägende Elemente des Stadtbildes. Ob ein Stadtteil ansprechend wirkt, man dort wohnen und sich aufhalten möchte, hängt in hohem Ausmaß vom Vorhandensein von Grünflächen ab. Stadtbäume üben darüber hinaus aber noch andere wichtige Funktionen aus, so verbessern sie z.B. das Kleinklima, binden Kohlenstoffdioxid und produzieren Sauerstoff. Ungeachtet dessen fallen sie häufig verkehrsplanerischen oder baulichen Maßnahmen zum Opfer.

In mitten des Häusermeeres bilden Bäume die Grünen Lungen der Städte. Schon eine einzige hundertjährige Buche mit 20 m Höhe und einem Kronendurchmesser von circa 12 m beschattet mit ihren 600.000 Blättern etwa 120 m² Fläche. Sie kann mit ihrer Blattfläche von 1.200 m² an einem Sommertag 18 kg Kohlenstoffdioxid binden. Dies entspricht dem Kohlenstoffdioxidabfall von zweieinhalb Einfamilienhäusern. Gleichzeitig arbeitet sie als höchst effiziente Klimaanlage, indem sie 400 Liter Wasser verbraucht, es filtert und verdunstet. Bei der Photosynthese fallen 13 kg Sauerstoff als Abfallprodukt an, die wiederum den Bedarf von 10 Menschen decken. Ganz nebenbei ist sie ein exzellenter Feinstaubfilter. Und als wäre das nicht schon genug, ist sie ein hervorragender Lebensraum für viele verschiedene Tierarten wie Insekten, Vögel und auch Kleinsäuger. Aus Sicht des Naturschutzbundes Oberösterreich ist daher der Erhalt jedes einzelnen Baumes in der Stadt wünschenswert.

Wird nun so ein Baum gefällt, müsste man um die 2000 Jungbäume mit einem Kronendurchmesser von 1 m² nachpflanzen, um den Verlust vollständig auszugleichen. Die Kosten hierfür würden über 100.000 € betragen.

Park oder Parkgarage

Durch den weiterhin ansteigenden Individualverkehr in Städten werden mehr und mehr Abstellmöglichkeiten für PKWs benötigt. Um den wachsenden Bedarf zu decken, werden als probates Mittel immer noch Parkanlagen mit Tiefgaragen unterbaut, wie dies im Moment auch für den Andreas-Hofer-Park in Linz geplant ist. Opfer dieser Bautätigkeiten sind so gut wie immer die Stadtbäume.

Obwohl entgegen ersten Berichten nicht mehr bis zu 50 Bäume – hauptsächlich 60 bis 80 Jahre alte Linden – für das Bauprojekt gefällt werden sollen, sondern man mittlerweile die seitlichen Bäume „schonen“ möchte, ist dieser Standort aus naturschutzfachlicher Sicht denkbar ungeeignet. Im Bereich der Ein- und Ausfahrt müssen Bäume gerodet werden und Neupflanzungen brauchen viele Jahre, bis sie dieselbe Funktion erfüllen können. Außerdem ist davon auszugehen, dass der Wurzelbereich der verbleibenden Bäume durch die Baumaßnahmen erheblich geschädigt wird. Diese Beeinträchtigung wird nicht sofort sichtbar, sondern sich erst in einigen Jahren in der verminderten Vitalität oder durch das Absterben der Bäume bemerkbar machen.

 

© Lukas Kronsteiner

Weiters können durch die Änderung des Untergrundes nur mehr Sträucher nachgesetzt werden, wodurch sich die Kosten für die Stadt erhöhen würden, da diese einer intensiveren Pflege bedürfen.

Durch den Bau der Ein- und Ausfahrten, sowie von Belüftungsbauwerken ist außerdem eine Verkleinerung der Grünfläche unumgänglich. Der Naturschutzbund Oberösterreich spricht sich daher klar gegen den Bau einer Tiefgarage unter dem Andreas-Hofer-Park aus.

Grüne Alternativen

Natürlich müssen die Parkplatzsorgen der Mitarbeiter einer Baufirma ernst genommen werden. Eine Tiefgarage würde sich gewiss auch unter einem Haus, ohne Beeinträchtigungen von Grünflächen, realisieren lassen. Wünschenswert wäre es aber, über alternative Konzepte wie die Benutzung der Linzer Öffis durch die Mitarbeiter nachzudenken. Ein vom Unternehmen bezahltes Jahresticket könnte ein Anreiz dafür sein und wäre allemal günstiger, als die Errichtung einer Tiefgarage.

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