Pressekonferenz: "Der Luchs in Österreich"

© Land OÖ/Liedl

Pressekonferenz am 16. Februar 2017 - Pro Luchs - Oberösterreich startet ein ehrgeiziges Projekt zum Schutz des Luchses!

"Wildkatzen kennen keine Grenzen und Verordnungen, aber sie brauchen Schutz mit Hausverstand"

von l. nach r.:  Dr. Felix Knauer, VetMed Uni Wien, Gottfried Schindlbauer, Leiter Abt. Naturschutz der OÖ. Landesregierung, Naturschutzreferent LH-Stv. Dr. Manfred Haimbuchner, Obmann Josef Limberger, Naturschutzbund OÖ., Mag. Christopher Böck, OÖ. Landesjagdverband

 

Der strenge Artenschutz alleine reicht nicht aus, um zu einer überlebensfähigen Luchspopulation in Oberösterreich zu kommen. Daher bündeln die Abteilung Naturschutz beim Amt der Oö. Landesregierung, der OÖ. Landesjagdverband und der Naturschutzbund OÖ jetzt gemeinsam ihre Kräfte und starten das Projekt „Pro Luchs“. Mehr Daten über den Luchs, mehr Akzeptanz des Luchses bei den oberösterreichischen Jäger/innen und bessere Rahmenbedingungen für das Überleben der Luchse insgesamt sind die wichtigsten gemeinsam gesteckten Ziele, die in den nächsten Jahren erreicht werden sollen.   

Zur Situation des Luchses in Oberösterreich
Der geschickte Jäger mit den Pinselohren hat es vielerorts nicht ganz leicht. Er steht unter strengem Schutz, sowohl nach internationalem Recht als europaweit geschützte Art als auch nach nationalem Recht. Doch illegale Verfolgung ist ein wesentlicher Grund, dass man beim Aufbau einer stabilen überlebensfähigen Population in Mitteleuropa nicht recht vom Fleck kommt, allen Schutzbemühungen zum Trotz. Einzig aus der Schweiz kommen zunehmend Erfolgsmeldungen, an die 200 Luchse sind dort bereits wieder heimisch geworden. Man hat sich an den Luchs gewöhnt, war vor kurzem in Schweizer Medien zu lesen.

Luchse kommen in Oberösterreich sowohl im Mühlviertel als auch im Alpenraum vor. Die Luchse im Mühlviertel gehören zur Böhmerwaldpopulation, die sich von der Oberpfalz in Bayern bis hin in die Wachau in Niederösterreich erstreckt. Große Teile der Verbreitung liegen in Tschechien. Die beiden Nationalparke Bayerischer Wald und Šumava scheinen die Quellgebiete für die Population darzustellen. Außerhalb dieser Quellgebiete hat die Luchspopulation in allen drei Ländern mit illegalen Entnahmen zu kämpfen. Die Alpenpopulation ist davon bisher getrennt. Sie geht zurück auf eine Wiedereinbürgerung von drei Luchsen durch den Nationalpark Kalkalpen. Doch auch ein strenges Schutzgebiet wie der Nationalpark Kalkalpen ist noch kein Garant für einen effektiven Schutz. Das hat die Verurteilung eines Jägers gezeigt, der am Rande des Nationalparks zumindest einen Luchs illegal getötet hat.  Im gesamten bayerisch–böhmisch–österreichischen Böhmerwaldbereich  kann man mit vielleicht 60 bis 80 selbständigen Tieren rechnen. 10 bis 15% davon können dem österreichischen Teilgebiet zugerechnet werden. Im Wesentlichen sind es abwandernde Tiere aus dem Šumava oder dem Bayerischen Wald, die den Luchsbestand im nordwestlichen Österreich bilden. Acht, neun Luchse im Mühlviertel, vermutlich deutlich weniger im südlichen Oberösterreich. 

Vom Wissen zum Handeln – Entwicklung des Projekts „Pro Luchs“ in Oberösterreich
Die europäische Kommission hat bereits im Frühjahr 2015 festgestellt, dass in der sogenannten „kontinentalen Region“ in den Bundesländern Niederösterreich und Oberösterreich wissenschaftliche Überprüfungen notwendig sind, um weitere Schritte für den Schutz des Luchses einzuleiten. Aus der Sicht der Kommission ist die Ausweisung von Schutzgebieten für den Luchs dabei naheliegend.

Die Landesregierungen von OÖ und NÖ haben daher ab dem Herbst 2015 eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, der außer den Naturschutzabteilungen beider Landesregierungen die Jagdverbände beider Länder, der Naturschutzbund, der WWF, der Umweltdachverband sowie die externen Experten Thomas Engleder, Christian Fuxjäger (Nationalpark OÖ. Kalkalpen) und Christoph Leditznig (Wildnisgebiet Dürrenstein) angehörten. Die organisatorische und fachliche Koordinierung erfolgte durch das Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie der Veterinärmedizinischen Universität Wien.  Ziel war eine Abstimmung über die weitere Vorgangsweise beim Schutz des Luchses, unter Berücksichtigung der Forderungen der Kommission und der Bedrohung der Luchspopulation durch illegale Abschüsse. Das Ergebnis ist das nun bei der Europäischen Kommission zur Förderung eingereichte Projekt „Pro Luchs“, Luchsprojekt Oberösterreich, das in den nächsten Jahren in engem Kontakt mit einem bereits angelaufenen niederösterreichischen Luchsprojekt umgesetzt wird.

Eingereicht wurde das Projekt vom Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie der Veterinärmedizinischen Universität Wien, das auch die fundierte fachliche Ausrichtung des Projektes gewährleistet. Ziele und Maßnahmen werden gemeinsam von den Projektpartnern festgelegt, der Abteilung Naturschutz beim Amt der Oö. Landesregierung, dem OÖ. Landesjagdverband und dem Naturschutzbund OÖ. 

Information der breiten Öffentlichkeit
Neben der verstärkten Einbindung und Kommunikation des Themas Luchs mit der Jägerschaft zielt das Projekt „Pro Luchs“ auch auf eine allgemein verstärkte Bewusstseinsbildung über den Konnex von Biologie, ökosystemarer Rolle und Schutz des Luchses bzw. möglicher Konflikte und dem Umgang damit. Als Zielgruppen werden die breite Öffentlichkeit, Kinder und Jugendliche (Schulen) sowie Stakeholder im Bereich Politik und Verwaltung definiert. Ziele, Inhalte und Ergebnisse des Projektes werden im Rahmen von Pressekonferenzen, Presseaussendungen und Beiträgen in diversen Printmedien kommuniziert sowie im Rahmen von Veranstaltungen/Tagungen präsentiert. Die ersten Projektergebnisse werden nach zwei Jahren im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung präsentiert, nach fünf Jahren ist eine breit ausgerichtete Bilanzveranstaltung mit internationaler Beteiligung vorgesehen. Die bereits bestehende Luchsausstellung wird bei Bedarf überarbeitet und verstärkt regional eingesetzt. Eine Bewusstseinsbildung der Allgemeinheit in Sachen Luchs ist auch durch diverse Werbemittel (z.B. Plakat) vorgesehen. 

Direkte Artenschutzmaßnahmen Luchs
In diesen Bereich fallen Maßnahmen zur direkten Stützung des Luchsbestandes in Oberösterreich. In den vergangenen Jahren sind etwa immer wieder verwaiste Jungluchse aufgetaucht, deren Überlebenschancen in der freien Natur oft sehr gering sind. Es sind in solchen Fällen daher rasch Maßnahmen notwendig. Im Rahmen des Projektes werden die entsprechenden organisatorischen Rahmenbedingungen geschaffen, um im Falle des Falles rasch reagieren zu können. Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Nachbesetzung von nachweislich illegal getöteten Tieren. Den Projektpartnern ist bewusst, dass es intensiver gemeinsamer Anstrengungen bedarf, um eines der wesentlichen Ziele des Projektes zu erreichen, nämlich den Aufbau einer stabilen, überlebensfähigen und sich vermehrenden Luchspopulation in Oberösterreich. Auch ohne die Ausweisung großflächiger neuer Schutzgebiete.

„Der Naturschutzbund freut sich über dieses Projekt, welches mehr Wissen über die Lebensart dieser eleganten Großkatze unserer Wälder zu erlangen versucht. So werden die besten Experten und Expertinnen des Landes unter der Schirmherrschaft der Veterinärmedizinischen Universität gemeinsam mit dem Land Oberösterreich, dem Landesjagdverband und unter Mitwirkung des Naturschutzbundes an neuen Erkenntnissen über die Wanderungen des Luchses und potentiellen Reproduktionshabitate arbeiten. Das Projekt dient auch der Verbreitung des Wissens über seine Lebensweise, seine bevorzugte Beute und seine Gefährdung.  In dieser neuen Initiative, welche sich um steigende Akzeptanz für den Großbeutegreifer und Erkenntnisse über seine Lebensweise bemüht, wird der Naturschutzbund vermehrt über den Luchs und die Fortschritte in dem Projekt berichten. Er erstellt ein eigenes Modul für den Unterricht an Schulen, in welchem die Schülerinnen und Schüler den Luchs und seine Lebensweise näher kennen lernen sollen“, zeigt sich Josef Limberger, Obmann des Naturschutzbundes erfreut. Um die Ausweisung von Schutzgebieten vom Luchs wird man wohl nicht herumkommen, allerdings ist es unserer Meinung nach zielführender, erst die genauen Wanderrouten und eventuelle Reproduktionshabitate des Luchses zu kennen, bevor man solche ausweist.

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