Geschichtliche Entwicklung

Zeittafel

1912: Gründung des Vereins Naturschutzpark. Obmann: Dr. Adolf Guttenberg, ab ca. 1917 Universitätsprofessor Dr. Hugo Salomon

1913: Herausgabe der 1. Folge der Blätter für Naturkunde und Naturschutz (Schriftleiter bis 1944: Dr. Günther Sohlesinger), ab 1946 Natur und Land, Vereinszeitschrift des ÖNB

1924: Umbenennung des Vereins Naturschutzpark in Österreichischer Naturschutzbund. Die Stelle des Vorsitzenden bleibt vorerst unbesetzt, später übernimmt Oberst Oswald Irlweck diese Funktion. Von 1933-1935 leitet der Botaniker Dr. August Ginzberger den ÖNB, von 1935 bis 1939 Dr. Viktor Schneider

1934: Bildung des Vereins Österreichischer Naturschutz; ab 1935 Österreichische Gesellschaft für Naturschutz und Naturkunde; ab 1938 Donauländische Gesellschaft für Naturschutz und Naturkunde. Obmann: Dr. Günther Schlesinger

1939: Zwangsauflösung des ÖNB (die Donauländische Gesellschaft für Naturkunde und Naturschutz bleibt auch während des 2. Weltkrieges bestehen)

1945: Reaktivierung der Donauländischen Gesellschaft für Naturkunde und Naturschutz, ab 1946 wieder Österreichische Gesellschaft für Naturkunde und Naturschutz. Die Funktionen des Vorsitzenden übernimmt bis 1959 Dr. Ing. Karl Hagen

1948: Umbenennung der Österreichischen Gesellschaft für Naturkunde und Naturschutz in Österreichischer Naturschutzbund.Gründung der 1. Jugendgruppe des ÖNB am BRG Steyr.

1949: Errichtung des Österreichischen Instituts für Naturschutz und Landespflege

1950: Eröffnung der Biologischen Station am Neusiedlersee

1952: Gründung der Österreichischen Naturschutzjugend durch Professor Dr. E. Stüber in Salzburg

1959: Umstrukturierung des ÖNB durch Aufgliederung der Organisation in einen Bundesverband und selbständige Landesgruppen. Minister a.D. Dr. Udo Illig wird Präsident des ÖNB, gefolgt von Dr. h.c. Manfred Mautner-Markhof (1963 - 65), Georg Graf Thurn-Valassina (1965 - 67), Professor Dr. h.c. Eduard Paul Tratz (1965 - 72) und Professor Dr. Eberhard Stüber (ab 1972)

1962: Gründung der Landesgruppe Oberösterreich, 1. Obmann : Dr. Josef Schadler (1962 - 1966)

2012: Gründung der Stiftung für Natur

Die Anfänge des vereinsmäßig organisierten Naturschutzes in Österreich sowie die Entwicklung des Öst. bzw. OÖ. Naturschutzbundes (von Dr. Mag. Wieland Mittmannsgruber)

Die großen Reichtümer der Österr.-Ung. Monarchie an Naturschönheiten waren wohl der Grund dafür, dass man hier, im Gegensatz zur kleinen Schweiz, aber auch zu vielen anderen Staaten, dem Gedankengut des Naturschutzes lange Zeit keine Bedeutung beimaß.

Der erste Österreicher, der vor mehr als 100 Jahren alle damaligen Freunde der Natur wachrüttelte, war Josef Schöffel, der Retter des Wienerwaldes. In einem von 1870 - 1873 währenden Ringen gelang es diesem mutigen Bürgermeister von Mödling, gegen Korruption und einer der Natur gegenüber verantwortungslosen Regierung die Abholzung des Wiener Waldes zu verhindern.
Es war dies die erste große Naturschutztat für Österreichs Landschaft. Sie blieb nicht ohne Folgen. Später waren es vorwiegend Naturwissenschafter, die den Naturschutzgedanken ins Gespräch brachten und von der Regierung Maßnahmen forderten.

Im Jahre 1905 folgte die Einbringung eines Gesetzesentwurfes für Denkmalschutz und Naturdenkmalpflege. Den Naturwissenschaftern genügte jedoch diese Maßname nicht. Sie waren sich darüber klar, dass der Naturschutzgedanke nur durch Privatinitiative ins Volk getragen werden kann.
So wurden in der Folge verschiedene Vereinigungen gegründet. Die Zoologisch-Botanische Gesellschaft in Wien errichtete 1910 Naturschutzreservate und schuf eine eigene Naturschutzkommission.  Prof. Dr. Adolf von Guttenberg gründete 1912 den Verein Naturschutzpark, welcher in den Hohen Tauern große Gebiete erwarb, um einen ersten Alpenpark zu errichten. Der Verein Naturschutzpark bildete auch die Keimzelle des Österreichischen Naturschutzbundes.

In der Folge trat ein neuer initiativer Mann dieser Naturschutzbewegung bei, der dem Naturschutzgedanken bald zum Durchbruch verhalf. Es war dies Prof. Dr. Günter Schlesinger. Er gilt heute als der Vater des Österreichischen Naturschutzes. Schlesinger war vielseitig naturwissenschaftlich gebildet und wirkte als Kustos am NÖ-Landesmuseum.
Er war als begeisterter Naturfreund vom Wunsch beseelt, die Natur den Menschen nahe zu bringen, aber auch sie vor den Menschen zu schützen. Um dieses Ziel zu verwirklichen, entschloss er sich, eine Zeitschrift herauszubringen unter dem Titel "Blätter für Naturkunde und Naturschutz". Mit dem Erscheinen der ersten Nummer am 1. Dezember 1913 war vom Naturschutz in Österreich erstmals öffentlich die Rede! Im Jahre 1946 wurde diese Zeitschrift umbenannt in Natur und Land" und entwickelte sich schließlich zum offiziellen Sprachrohr des Österreichischen Naturschutzbundes.
Das Jahr 1913, in dem die heutige ÖNB-Vereinszeitschrift das erste Mal erschien, wird auch als Gründungsjahr des Naturschutzbundes angenommen, obwohl der Verein erst viel später seinen heutigen Namen erhielt.

Ein halbes Jahr nachdem Prof. Schlesinger und seine Mitstreiter begonnen hatten, die Idee des Naturschutzes mit Hilfe einer eigenen Publikation einem größeren Kreis der Bevölkerung näher zu bringen, brach der 1. Weltkrieg aus.
Obwohl die Aktivitäten der Naturschützer durch die Kriegsereignisse stark gebremst waren, konnten die "Blätter" während des ganzen Krieges hindurch erscheinen.
Nach dem Zusammenbruch der Österr.-Ung. Monarchie widmete man sich verstärkt der Verbreitung des Naturschutzgedankens und dem Aufbau entsprechender Naturschutzorganisationen.

In Wien erfolgte 1922 auf Initiative Schlesingers die Gründung des "Österreichischen Naturschutzverbandes", dem verschiedene Vereinigungen, darunter Fischer, Jäger, Vertreter der Land- und Forstwirtschaft, der Touristik oder des Natursportes angehörten. Damit wurde Schlesinger zum Sprecher von 200.000 Wienern und konnte sich entsprechend für die Erhaltung des Waldgürtels von Wien einsetzen.

Ein besonderes Anliegen Schlesingers war es, den Naturschutzgedanken aus dem Ballungsgebiet Wien auch in die Bundesländer zu tragen. Nach der ersten Naturschutzkonferenz im Jahre 1923 in Innsbruck begann man, in den einzelnen Bundesländern Zweigvereine zu gründen.
Ein Jahr später, 1924, wurde die 1912 errichtete Organisation "Verein Naturschutzpark" umgebildet und es entstand der Österreichische Naturschutzbund. Die Leitung übernahm Oberst Oswald Irlweck, ab 1933 Univ. Prof. Dr. August Ginzberger. Von 1935 bis zur Auflösung des Naturschutzbundes im Jahre 1939 stand Dr. Viktor Schneider an der Spitze des Vereins.

Die vom "Verein für Landeskunde von Niederösterreich" unter der Schriftleitung von Prof. Schlesinger herausgegebenen "Blätter für Naturkunde und Naturschutz" erhielten im Frühjahr 1934 Konkurrenz. Der Österreichische Naturschutzbund gab nun ebenfalls eine eigene Zeitschrift mit der Bezeichnung "Hain" heraus, welcher im Herbst des gleichen Jahres der "Junghain" als Jugendzeitschrift folgte.

Diese Entwicklung veranlasste Schlesinger, auch die Bezieher und Leser der "Blätter" vereinsmäßig zu erfassen.
Er gründete 1934 den Verein "Österreichischer Naturschutz", der ein Jahr später in Österreichische Gesellschaft für Naturschutz und Naturkunde" (ÖGN) umbenannt wurde und ab nun die Veröffentlichung der Naturschutzzeitschrift übernahm.

Die Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahre 1938 brachte auch im Bereich des vereinsmäßigen Naturschutzes einschneidende Änderungen!
Nach der Umbenennung des von Schlesinger zuletzt gegründeten Vereins in "Donauländische Gesellschaft für Naturschutz und Naturkunde" im März 1938 wurde sechs Monate später der 1922 gebildete "Naturschutzverband" als selbständiger Verein liquidiert und in die Donauländische Gesellschaft eingegliedert.
Anfang 1939 erfolgte die zwangsweise Auflösung des Österreichischen Naturschutzbundes.
Die "Blätter für Naturkunde und Naturschutz" erschienen auch während des 2. Weltkrieges, erst im Oktober 1944 wurde die Zeitschrift eingestellt.
Kurz vor Kriegsende, im April 1945, starb der Vater des Österreichischen Naturschutzes, Prof. Dr. Günther Schlesinger.

Neubeginn am 1.8.1945

Bereits drei Monate nach dem Ende des 2. Weltkrieges fand die erste Sitzung eines provisorischen Vereinsvorstandes der seit Ende 1944 inaktiven "Donauländischen Gesellschaft für Naturschutz und Naturkunde" im Wiener Rathaus statt.
Man hatte den festen Willen, den Verein von Prof. Schlesinger und den Naturschutz in Österreich wieder aufzubauen. An der Wiedererrichtung der Gesellschaft beteiligte sich auch Dr. Viktor Schneider, der letzte Obmann des im Jahre 1939 zwangsweise aufgelösten Österreichischen Naturschutzbundes.

Nach der Überwindung großer Probleme und zahlreicher Provisorien konnte am 11. Juli 1946 die erste ordentliche Vollversammlung der nunmehr wieder als "Österreichische Gesellschaft" bezeichneten Vereinigung im Großen Saal des Instituts für Wissenschaft und Kunst in Wien abgehalten werden.
Als Vereinsobmann wurde Forstdirektor Dr. Karl Hagen gewählt, der diese Funktion bis 1959 innehatte.

Im Oktober 1946 erschienen wieder die "Blätter", ab jetzt unter dem Titel "Natur und Land" im 33. Jahrgang.

Die 1. Österreichische Naturschutzkonferenz nach Kriegsende fand im März 1947 in Anwesenheit der Vertreter des amtlichen Naturschutzes des Bundes und der Länder sowie des wissenschaftlichen und vereinsmäßigen Naturschutzes in Schladming statt.
Hauptthemen der Beratungen waren u.a. der vorliegende Entwurf eines einheitlichen Bundesnaturschutzgesetzes, die vereinsmäßige Organisation des Naturschutzes und die Schaffung neuer Schutzgebiete.

In der 3. Hauptversammlung der "Österreichischen Gesellschaft für Naturschutz und Naturkunde" am 20.1.1948 wurde die Umbenennung des Vereins in "Österreichischer Naturschutzbund" beschlossen.
Im gleichen Jahr erhielt die Vereinigung ein neues Domizil im Naturhistorischen Museum in Wien. Die Gründung der ersten Jugendgruppe des ÖNB am Bundesrealgymnasium in Steyr fällt ebenfalls in diesen Zeitraum.

Stellvertretend für die vielen großen und kleinen Erfolge des ÖNB seit seiner Errichtung soll an dieser Stelle die Rettung der weltberühmten Krimmler Wasserfälle in den Jahren 1952/53 hervorgehoben werden, die damals zum Zwecke der Stromerzeugung abgeleitet und trockengelegt werden sollten.
Durch den massiven Einsatz des Österreichischen Naturschutzbundes konnte der Anschlag auf dieses einzigartige Naturdenkmal schließlich verhindert werden.

Nach Dr. Karl Hagen standen folgende Personen an der Spitze des Österreichischen Naturschutzbundes:
Minister a.D. Dr. Udo Illig (1959 - 1963)
Dr. h.c. Manfred Mautner Markhof (1963 - 1965)
Georg Graf Thurn-Valassina (1965 - 1967)
Prof. Dr. Eduard Paul Tratz, Begründer und langjähriger Leiter des Hauses der Natur in Salzburg (1967 - 1972)
Prof. Dr. Dr. h.c. Eduard Stüber, Direktor des Hauses der Natur in Salzburg (seit 1972).

Auf Initiative des nunmehrigen Präsidenten Prof. Stüber kam es im Jahr 1952 in Salzburg zur Gründung der "Österreichischen Naturschutzjugend" und damit gleichzeitig zur Vereinigung der zahlreichen Jugendgruppen des ÖNB zu einem eigenständigen Bundesverband. Prof. Stüber leitete die dynamische und bis heute äußerst erfolgreiche Jugendgemeinschaft bis 1973.

OÖ. Landesgruppe des ÖNB:

In den Sechzigerjahren erfolgte die Aufgliederung des Österreichischen Naturschutzbundes in selbständige Landesgruppen.

Die Bundesorganisation, die heute ihren Sitz in Salzburg hat, fungiert seither als Dachverband.
In mehreren Ländern, so auch in Oberösterreich, bildeten sich Bezirks- und Ortsgruppen, die zum Teil noch bestehen oder im Laufe der Jahre durch Neugründungen ersetzt wurden und die sich vorwiegend um lokale Probleme kümmern.

Einen "Zweig Oberösterreich des Österreichischen Naturschutzbundes" gab es bereits in der Zwischenkriegszeit, vermutlich während der Jahre 1930 bis 1934. Die Geschäftsführung befand sich damals in der Bundesrealschule in Linz, Obmann war der Direktor der Schule, Dr. Heinrich Brunnmayr.
Der Mitgliedsbeitrag betrug zu dieser Zeit S 2,-- pro Jahr, die "Blätter für Naturschutz" kosteten jährlich S 5,--.

Die Wiedererrichtung der Landesgruppe Oberösterreich nach dem 2. Weltkrieg erfolgte im Jahre 1962. Seither haben sich zahlreiche Aktivisten um den Naturschutz in unserem Bundesland äußerst verdient gemacht, wie beispielsweise:
Dr. Theodor Kerschner, der den Entwurf zum ersten Oberösterreichischen Naturschutzgesetz und damit die Voraussetzung zum wirksamen Schutz der Natur in diesem Lande schuf.
Dr. Heinrich Seidl, in den Jahren 1941 - 1956 Landesbeauftragter für Naturschutz, welcher als Hauptanreger für die Schaffung vieler Oberösterreichischer Naturschutzgebiete gelten kann und das zweite OÖ-Naturschutzgesetz vorbereitete.

Dr. Josef Schadler, ab 1931 Landesgeologe, von 1962 bis 1966 erster Obmann des OÖNB und für den Oberösterreichischen Naturschutz in vielfältiger Weise tätig.
Hofrat Dipl. Ing. Heinz Grois, als Landesplaner durch Jahrzehnte Hauptkämpfer für den Landschaftsschutz, Mitbegründer der Landesgruppe und lange Zeit deren zweiter Vorsitzender.
Dipl. Ing. Bruno Weinmeister, der als bedeutender Botaniker mit Dr. Kerschner und Dr. Seidl zusammenarbeitete.

Zwei Persönlichkeiten haben den OÖNB mehrere Jahre geprägt und dem Verein ein vom herkömmlichen Naturschutz teilweise abweichendes Profil gegeben, nämlich die beiden bedingungslosen Kämpfer gegen die Atomenergie, MR Dr. Alfred Tisserand (gest.) und Dipl. Ing. FriedrichWitzany.
Von vielen missverstanden und angefeindet, sogar aus den eigenen Reihen, sind die "Oberösterreicher" unermüdlich gegen die Atomenergiegewinnung aufgetreten und haben damit eine führende Rolle innerhalb des ÖNB im Kampf gegen die sogenannte "friedliche Nutzung" der Kernenergie übernommen.
Wenn wir heute glücklich sind, dass das Atomkraftwerk Zwentendorf nie in Betrieb ging und das Atomkraftwerk St. Pantaleon nicht gebaut wurde, so ist das zu einem beträchtlichen Teil auf den totalen Einsatz der Atomgegner in unserer Landesgruppe zurückzuführen.

 

Die Obmänner in Oberösterreich

Dr. Josef Schadler (1962 - 1966)
Med. Rat Dr. Alfred Tisserand (1966 - 1976)
Dipl. Ing. Friedrich Witzany (1976 - 1983)
Dr. Mag. Wieland Mittmannsgruber (1983 - 1990)
Anton Mittermayr (1991 - 1997)
Josef Limberger (seit 1997)

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