Gegendarstellung „Fischotter bedroht Amphibien“

© Josef Limberger

In der Ausgabe der Tips Rohrbach am 9. April 2018 wurde folgender Artikel „Hungrige Fischotter bedrohen nun auch Frösche und Schlangen im Bezirk Rohrbach“ veröffentlicht.

Der Artikel spiegelt das wieder, was bei der jüngsten Bezirks-Fischereiversammlung auf der Tagesordnung stand und enthält – aus Sicht des Naturschutzbundes - mehrere unrichtige und schockierende Aussagen.

Gegendarstellung des Naturschutzbundes:

Ja, der Fischotter frisst Frösche und auch einmal eine Ringelnatter, da diese Teil seines natürlichen Beutespektrums sind. Der Fischotter ist aber mit Sicherheit nicht für deren massiven Rückgang verantwortlich.

Ursachen für den starken Rückgang der Amphibienbeständen in den letzten Jahrzehnten sind vielfältig – und alle sind von uns Menschen verursacht, wie der Verlust an geeigneten Lebensräumen zum Beispiel durch Zersiedelung, der fast flächendeckenden Entwässerung von Feuchtwiesen sowie der Verlust an Laichgewässern. Früher hatte jeder Bauernhof bzw. jeder Ort einen Löschteich. Auch der Einsatz von Pestiziden in Land- und Forstwirtschaft, die Intensivierung der Landwirtschaft mit häufigerem Mahd-Regime und dadurch verursachten, negativen Auswirkungen auf die Kleintierfauna,  der Besatz von Amphibienlaichgewässern mit Fischen und die Zerschneidung der Landschaft durch Straßen tragen dazu bei. Unzählige Amphibien fallen beispielsweise alljährlich bei ihren Laichwanderungen dem Straßenverkehr zum Opfer.

Ähnliches gilt für unsere heimischen Reptilienarten. Auch sie leiden unter dem Verlust an geeigneten Lebensräumen, Zerschneidung der Landschaft, Intensivierung der Land- und Fortwirtschaft usw.

Der Naturschutzbund und andere im Naturschutz aktive Gruppen oder Einzelpersonen versuchen seit Jahren, auf die Gefährdung von Amphibien und Reptilien aufmerksam zu machen und auch Maßnahmen dagegen zu setzen.

Der Naturschutzbund hat einen Amphibien- und Reptilien-Folder herausgegeben, führt Exkursionen mit Erwachsenen und Schulklassen zu diesen Themen durch. Gemeinsam mit ehrenamtlichen Helfern werden alljährlich im Frühjahr – oft mit Unterstützung von Gemeinden und Straßenmeistereien – Amphibienschutzzäune an den Straßen aufgestellt und betreut, Amphibienlaichgewässer werden angelegt und Lebensräume angekauft. Auch berät und unterstützt der Naturschutzbund Interessierte bei der Anlage von Laichgewässern und bei anderen Maßnahmen für die Lebensraumverbesserung von Amphibien und Reptilien. Auf naturbeobachtung.at, der Naturbeobachtungs-Plattform des Naturschutzbundes, können Amphibien- und Reptilien-Nachweise gemeldet werden. Die gesammelten Daten werden für wissenschaftliche Projekte verwendet.

Es ist für uns Menschen einfach und bequem, die Schuld für den starken Rückgang einer bedrohten Tiergruppe auf Tierarten wie Fischotter, Graureiher und Kormoran zu schieben, statt die Schuld bei sich selbst zu suchen und dagegen Maßnahmen zu setzten.

Ein Kopfgeld auf eine Tierart auszusetzen, wie im Fall des Kormorans, ist zudem moralisch höchst verwerflich und widerspricht jedem ethischen Empfinden.

Der Bestand des Graureihers ist, nicht zuletzt auf Grund der Abschuss-Forderungen der Fischer, auf nicht einmal mehr 90 Brutpaare in ganz Oberösterreich gesunken!

Auch der Rückgang an Fischen in unseren Gewässern ist von uns Menschen gemacht, die Ursachen altbekannt: Verlust an Lebensraum und Laichplätzen durch Kraftwerksbau und Begradigung der Gewässer, Eintrag von Pestiziden und Medikamenten, Erhöhung der Gewässertemperatur durch den Klimawandel, falsche Besatzmaßnahmen usw.

Es wird auch davon ausgegangen, dass die zunehmende Verseuchung der Gewässer mit der im Artikel erwähnten Fischkrankheit PKD (Proliferative Nierenkrankheit der Fische) von uns Menschen durch Fischbesatz vorangetrieben wurde.

Hier ist es wieder ein Leichtes, diese dramatische Situation auf die Fischfresser zu schieben. Anstatt wichtige Probleme gezielt anzugehen, werden den Menschen Sand in die Augen gestreut.

Durch Fischteiche, welche nicht gegen Fischotter abgesichert sind und diesen als einfach erreichbare Futterstellen dienen, wird der Fraßdruck auf die Lebewesen in Fließgewässern erhöht. Auch hier gäbe es einfache Möglichkeiten von Seiten der Teichbesitzer, dem Fischotter den Zugang zu verwehren.

Richtig ist, dass in Oberösterreich nach mehrjähriger Diskussion mit verschiedenen Interessensgruppen vier Gewässerabschnitte ausgewählt wurden, an denen Fischotter zum Abschuss und Fang frei gegeben wurden. Und zwar nur in den kommenden drei Jahren. Unter wissenschaftlicher Begleitung werden an diesen Untersuchungsstrecken zusätzlich jährliche Befischungen durchgeführt, um die Auswirkungen dieser Maßnahmen auf die Fischbestände untersuchen zu können.

Der Naturschutzbund ruft daher zum wiederholten Mal auf, in der Diskussion um Fischfresser um mehr Sachlichkeit und vor allem Fachlichkeit.

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