Geplanter Bau eines Kunstrasenplatzes

© Heidi Kurz

Stellungnahme des Naturschutzbundes zum geplanten Bau eines Kunstrasenplatzes in der Gemeinde Natternbach

Brief an den Herrn Bürgermeister:

In der Europäischen Union wird derzeit über ein Verbot von Mikroplastik diskutiert. Das geplante Verbot, das ab 2022 in Kraft treten soll, betrifft auch das Granulat, das für Kunstrasenplätze verwendet wird. Und in Ihrer Gemeinde soll ein solcher Platz neu errichtet werden?

Als Mikroplastik werden kleinste Plastikpartikel und -fasern bezeichnet, die in Länge, Breite und Durchmesser zwischen wenigen Mikrometern bis fünf Millimeter liegen. Es wird in primäres Mikroplastik - wie sogenannte Basispellets, das Grundmaterial für die Plastikproduktion, als auch das Granulat für die Kunstrasenplätze - sowie in sekundäres Mikroplastik, das beim Zerfallen größerer Plastikteile entsteht, unterteilt.

In Österreich gibt es mittlerweile 259 Kunstrasenplätze, durch die jährlich etwa 570 Tonnen Mikroplastik in die Natur gelangen. Diese Zahl ergibt sich aus der Umrechnung von Daten aus Deutschland, wo das Fraunhofer Institut errechnet hat, dass die 5000 dort existierenden Kunstrasenplätze durch Abrieb und Verwehungen jährlich 11.000 Tonnen Mikroplastik an die Umwelt abgeben. Damit sind Kunstrasenplätze in Deutschland mittlerweile die drittgrößte Quelle von Mikroplastik und auch in Österreich steuern wir durch den Bau weiterer Kunstrasenplätze darauf hin.

Problematisch sind weniger die Plastikgrashalme, sondern vor allem das Kunststoff-Granulat, mit dem der Kunstrasen aufgefüllt ist. Durch Schnee, Regen oder die Spieler selbst, die es an in ihren Hosen, Schuhen und Strümpfen vom Platz tragen, gelangen diese kleinen Plastikpartikel in die Umwelt - und damit letzten Endes auch in unsere Nahrungskette.

Das Plastikgranulat kann und wird trotz diverser Vorkehrungen den Fußballplatz verlassen und in die Umwelt gelangen. Dies wurde vor allem in Tirol auf Kunstrasenplätzen schon mehrfach nachgewiesen.

Der in Ihrer Gemeinde geplante Fußballplatz befindet sich zudem in unmittelbarer Nähe des Natternbaches, was eine Verschmutzung des Gewässers durch Mikroplastik nach sich ziehen wird. Der Natternbach wiederum mündet in den Leitenbach, der als Natura 2000 Gebiet ausgewiesen ist, da er noch bedeutende Bestände der Flussperlmuschel und Flussmuschel beherbergt. Abschnittsweise sind in ihm auch noch gefährdete Fischarten wie Koppe, Bitterling, Goldsteinbeißer und Ukrainisches Bachneunauge zu finden. Man kann davon ausgehen, dass eine Belastung des Leitenbaches durch Mikroplastik sich dramatisch auf die Bestände dieser seltenen Tierarten auswirken wird. So sind die Muscheln als Filtrierer, zur Nahrungsaufnahme filtern sie aus dem Wasser kleinste Nahrungsbestandteile heraus, durch das Mikroplastik besonders gefährdet, da es sich durch die Art ihrer Ernährung, besonders stark in ihrem Körper anreichern kann.

Dass unsere Flüsse jetzt schon mit Mikroplastik belastet sind, zeigt eine Studie der Universität Wien aus dem Jahr 2014, in der in der Donau in Flachwasserbereichen bereits mehr Plastikteilchen als Fischlarven nachgewiesen werden konnten. In einer Folgestudie der BOKU und des Umweltbundesamts wurde herausgefunden, dass knapp 41 Tonnen Mikroplastik pro Jahr Österreich über die Donau bei Hainburg verlassen.

Auf Grund der oben angeführten Tatsachen und Argumente spricht sich der Naturschutzbund OÖ ganz klar gegen den Bau eines Kunstrasenplatzes in der Gemeinde Natternbach aus.

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