Linzer Ostumfahrung: Naturschutz darf nicht unter die Räder kommen!

Foto: Traunspitz © Isiwal, CC BY-SA 4.0. via Wikimedia Commons

Der Naturschutzbund Oberösterreich übt scharfe Kritik an der in einem Umweltbericht am als besten gewerteten, stadtnahen Trassenvariante der Linzer Ostumfahrung. Eine neue Autobahn im Bereich der Traun-Donau-Auen wäre ein weiterer schwerer Schlag gegen den Natur- und Landschaftsschutz im oberösterreichischen Zentralraum. Statt neuer Straßen fordert der Naturschutzbund endlich Investitionen in die Schiene.

Die stadtnahe Trassenvariante, welche in einem Umweltbericht zur Strategischen Prüfung Verkehr empfohlen wird, würde eine neue Autobahn quer durch den ohnehin schon dicht verbauten Linzer Zentralraum, eine zusätzliche Donauquerung beim Traunspitz unmittelbar neben einem Europaschutzgebiet und massive Eingriffe in den Schiltenbergwald bei Ebelsberg bedeuten. Eingriffe in eine Landschaft also, in der naturnahe Lebensräume längst zur Mangelware geworden sind. Und ausgerechnet diese Variante soll laut dem vorliegenden Umweltbericht zur Linzer Ostumfahrung die beste Lösung sein? Für den Naturschutzbund Oberösterreich ist diese Empfehlung völlig unverständlich.

Europaschutzgebiet in unmittelbarer Nachbarschaft

Besonders brisant ist die geplante Donauquerung beim Traunspitz und in weiterer Folge die Trassenführung entlang des linksufrigen Traunufers inklusive Querung der Traun im Bereich der Ebelsbergumfahrung/Eisenbahnbrücke. Unmittelbar gegenüber erstrecken sich die Traun-Donau-Auen, eines der bedeutendsten Auwaldgebiete Oberösterreichs. Diese Auen stehen als FFH- und Vogelschutzgebiet unter dem Schutz des europäischen Natura-2000-Netzwerks und sind als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Hier geht es nicht um irgendwelche Restflächen zwischen Industrieanlagen und Verkehrswegen, sondern um ökologisch wertvolle Lebensräume, deren Erhaltung auch von europäischem Interesse ist. Eine Autobahn würde nicht nur Boden verbrauchen, sondern Lebensräume zerschneiden, Wanderkorridore unterbrechen und durch Lärm, Licht und Schadstoffeinträge weit über die eigentliche Trasse hinauswirken.

Dass eine solche Variante in einem Umweltbericht insgesamt als günstigste Lösung hervorgeht, ist völlig unverständlich. Welchen Stellenwert haben Natur- und Artenschutz bei einer Bewertung, die zu einem derartigen Ergebnis kommt? Offenbar können verkehrliche und wirtschaftliche Vorteile ökologische Schäden aufwiegen, die sich in der Realität nicht rückgängig machen lassen.

Erst Millionen für die Renaturierung – dann eine neue Autobahn?

Besonders absurd erscheint die zeitliche Nähe zu der Umsetzung eines großen Renaturierungsprojekts an der Unteren Traun. Im Rahmen des Projekts „LIFE IRIS Untere Traun“ wird der Fluss auf rund 1,3 Kilometern wieder naturnäher gestaltet. Rund 2,8 Millionen Euro werden dafür aufgewendet, um Schäden früherer Flussregulierungen zu beseitigen und neue Lebensräume zu schaffen. Der Naturschutzbund begrüßt diese Maßnahmen ausdrücklich.

Gleichzeitig aber wird eine neue Autobahnquerung im Umfeld derselben Flusslandschaft geplant. Mit der einen Hand werden Flüsse renaturiert und mit den anderen neuen Eingriffen vorbereitet. Was ist das für eine widersprüchliche Umweltpolitik? Wer Millionen an öffentlichen Geldern in die Wiederherstellung zerstörter Natur investiert, kann nicht gleichzeitig so tun, als wären die noch verbliebenen wertvollen Naturräume beliebig verfügbar. Naturschutz darf nicht zur Reparaturwerkstätte einer Verkehrspolitik verkommen, die immer neue Schäden verursacht.

Neue Autobahnen statt einer längst überfälligen Verkehrswende?

Niemand bestreitet die Verkehrsprobleme im Großraum Linz. Aber die Vorstellung, man könne sich aus diesen Problemen mit immer neuen Autobahnen herausbauen, ist längst überholt. Zusätzliche Straßenkapazitäten schaffen häufig auch zusätzlichen Verkehr, begünstigen weitere Zersiedelung und verschärfen damit langfristig jene Probleme, die sie angeblich lösen sollen.

Während über neue milliardenschwere Straßenbauprojekte diskutiert wird, wartet die Region seit Jahrzehnten auf einen leistungsfähigen Ausbau der Sumerauerbahn. Eine moderne, attraktive Schienenverbindung zwischen Linz und Tschechien könnte wesentlich dazu beitragen, Personen- und Güterverkehr von der Straße auf die Schiene zu verlagern. Stattdessen wird weiter an Straßenprojekten festgehalten, deren ökologische Folgekosten noch Generationen beschäftigen werden.

Es ist höchste Zeit, die Prioritäten umzukehren. Nicht noch mehr Asphalt, sondern leistungsfähige Bahnverbindungen und ein attraktiver öffentlicher Verkehr müssen im Mittelpunkt einer zukunftsfähigen Verkehrsplanung stehen.

Naturschutzbund fordert Stopp der stadtnahen Variante - und keine weiteren Autobahnen

Der Naturschutzbund Oberösterreich lehnt die stadtnahe Variante der Linzer Ostumfahrung entschieden ab. Er fordert eine umfassende und nachvollziehbare Prüfung der Auswirkungen auf die Traun-Donau-Auen, das benachbarte Natura-2000-Gebiet, den Biotopverbund und den Bodenverbrauch. Vor allem aber muss die grundsätzliche Notwendigkeit einer weiteren Autobahn hinterfragt und der Ausbau der Schieneninfrastruktur, insbesondere der Sumerauerbahn, als ernsthafte Alternative berücksichtigt werden.

Es kann nicht sein, dass der Schutz der Natur zwar in Sonntagsreden beschworen wird, bei konkreten Infrastrukturentscheidungen aber regelmäßig den Kürzeren zieht. Gerade im oberösterreichischen Zentralraum sind die verbliebenen naturnahen Landschaften zu wertvoll, um sie weiterhin einer Straßenbaupolitik zu opfern, die den Flächenverbrauch immer weiter antreibt. Wir können nicht ständig über Artensterben, Bodenverbrauch und Klimakrise klagen und gleichzeitig so weitermachen wie bisher. Wer heute noch neue Autobahnen durch ökologisch wertvolle Landschaftsräume plant, muss sich die Frage gefallen lassen, wie ernst ihm der Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen tatsächlich ist.

13.10.2026

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