Luchse im Winter: Feuertaufe für die Jungtiere

© Luchsprojekt Österreich Nordwest, Thomas Engleder

Die Tage werden zunehmend kürzer, die Nächte länger und kälter. Für viele Wildtiere beginnt nun die härteste Zeit des Jahres. Auch die heimischen Luchse gehen bei Schnee und Eis auf Nahrungssuche. Besonders die Jungluchse tun sich bei der erfolgreichen Jagd noch schwer. Nur eines von vier Jungen überlebt seinen ersten Winter und die eigenständige Reviersuche danach.

Zum Jahresende sind die heranwachsenden Jungtiere fast so groß wie ihre Mutter. Sie unternehmen jetzt erste kleinere Ausflüge ohne der Luchsin und versuchen eigene Beute zu schlagen. Der Familienverband löst sich auf, wenn sich die Luchsmutter im Frühjahr erneut mit einem Männchen paart, oder kurz danach.

Die Halbwüchsigen müssen dann das mütterliche Wohngebiet verlassen und sich ein eigenes Revier suchen. Die Abwanderung ist für die Jungen eine risikoreiche Zeit, denn sie durchqueren unbekanntes Gebiet, kreuzen gefährliche Straßen oder waldfreie Flächen. Da sie noch sehr unerfahrene Jäger sind, leiden sie oft an Hunger und können dadurch so schwach und krank werden, dass sie sterben. Nur eines von vier Jungen überlebt das erste Lebensjahr. Todesursachen sind Verhungern, Krankheiten sowie Unfälle auf der Straße, Schiene oder beim Beutemachen berichtet der Naturschutzbund Oberösterreich.

Verwaiste Luchse haben eine sehr geringe Überlebenschance

Stößt der Luchsmutter etwas zu, so sind die Jungen auf sich alleine gestellt. Auf der Suche nach leichter Beute, können verwaiste Jungluchse bei Häusern oder Bauernhöfen auftauchen und mitunter auch recht vertraut wirken. Vereinzelt schaffen es verwaiste Jungluchse auch aus eigener Kraft über den Winter zu kommen. Vor allem wenn sie die kritische Zeit bis zum Erlernen der „Großwildjagd“ auf Rehe mit genügend Kleinbeutetieren wie Mäusen, Nagern, Geflügel und Hasen überbrücken können. In der Regel wird ein verwaister junger Luchs aber auf der Strecke bleiben.

Der Naturschutzbund Oberösterreich weiß, dass der Winter für die Beobachtung von Luchshinweisen besonders gut geeignet ist, da sich die Pfotenspuren deutlich im Schnee abzeichnen. Anhand der Spuren lassen sich die Routen leichter nachverfolgen. An Stellen, an denen offenkundig vermehrt Luchse durchkommen, installieren die Luchs-Experten Fotofallen. Das Fleckenmuster der Luchse ist individuell wie ein Fingerabdruck. Deshalb können einzelne Tiere anhand ihres Musters erkannt und dadurch ihre Anzahl und Wanderungen nachvollzogen werden. Zusätzliche Informationen bekommen die Forscher auch durch Telemetriesender, mit denen einzelne Tiere versehen sind. Neben den Kamerafallen und der Telemetrie, liefern auch klassische Sichtungshinweise und Rissbegutachtungen wertvolle Hinwiese.

Der Naturschutzbund Oberösterreich, die Abteilung Naturschutz des Amtes der Oberösterreichischen Landesregierung und weitere Kooperationspartner wollen im Rahmen des Projektes „Pro Luchs“ dem Luchs in allen geeigneten Lebensräumen in Österreich eine Heimat bieten und setzen sich für eine überlebensfähige Luchspopulation ein. Damit dies erreicht werden kann, ist Akzeptanz durch den Menschen notwendig.

 

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