Mehr als nur Grün: Der Gefleckte Aronstab

Pflanze des Monats April

© Josef Limberger

Die Natur erweist sich immer wieder als äußerst einfallsreich. Vor allem Pflanzen, da fest im Boden verwurzelt, haben die unterschiedlichsten Tricks und Kniffe entwickelt, um die Bestäubung ihrer Blüten zu sichern. Eine der spannendsten heimischen Pflanzen hinsichtlich ihrer Bestäubungsbiologie ist der Gefleckte Aronstab (Arum maculatum) , dessen Blütezeit von April bis Mai reicht.

Der bis zu 40 cm hohe Gefleckte Aronstab ist in feuchten Laubwäldern und Auwäldern zu finden. Mit seinen dunkelgrünen, lang gestielten, oft gefleckten und pfeilförmigen Blättern und der auffälligen Blüte ist er unverkennbar. Seine Knolle dient als Speicherorgan und ermöglicht den zeitigen Austrieb im Frühling.
Trotz seiner Giftigkeit galt der Aronstab in früheren Zeiten als magische Pflanze und soll von Hexen für Liebeszauber eingesetzt worden sein – wohl auch aufgrund der sehr speziellen Form des Blütenstandes: Ein gelblichgrünes, violett angehauchtes Hüllblatt, die Spatha, umgibt tütenförmig den blauvioletten Blütenkolben und präsentiert sich im oberen Abschnitt als flächiges Schauorgan. Im unteren Teil ist es kesselförmig ausgebildet und umschließt die kleinen Blüten. Im Kessel an der Basis des Kolbens befinden sich dicht gedrängt die weiblichen Blüten, darüber sitzen die männlichen Blüten. Als Abschluss folgt ein Kranz aus in Reusenhaare umgewandelten, sterilen Blüten, so Julia Kropfberger vom Naturschutzbund Oberösterreich.
 

Aufgeheizte Partystimmung im Hexenkessel

Am Abend produziert der Kolben Wärme und heizt den Kessel tüchtig auf. Die Temperatur kann bis zu 16 °C über der Außentemperatur der oft noch kühlen Frühlingsnächte liegen. Durch die Wärmeentwicklung verströmt der Kolben einen harnartigen Geruch, der vor allem Schmetterlingsmücken und Aasfliegen anlockt. Das Heizmaterial ist Stärke, die in großen Mengen im Kolben gespeichert ist.

Die winzigen Zweiflügler, welche auf einen geeigneten Eiablageplatz und Paarungspartner hoffen, finden bei der Landung am glatten, mit einem Ölfilm überzogenen Hüllblatt keinen Halt und rutschen zwischen den nach unten gerichteten Borstenhaaren in den Kesselgrund.

Die glatten Wände des Kessels und die Reusenhaare verhindern, dass die Insekten die Blüte gleich wieder verlassen können. Bestenfalls kann nun die Bestäubung der weiblichen Blüten erfolgen. In der Nacht platzen die männlichen Staubblätter auf und bepudern die Eingeschlossenen. Am nächsten Morgen erschlaffen das Hüllblatt und die Borsten am Ausgang des Kessels. Die mit frischem Pollen beladenen Besucher entschwinden in die Freiheit. In der folgenden Nacht geht die Party in einem anderen Blütenstand weiter. Beim Gefleckten Aronstab handelt es sich also um eine Kessel-Gleitfallenblume. War die Bestäubung erfolgreich, entwickeln sich bis in den Spätsommer leuchtend rot Beeren.

Der Gefleckte Aronstab steht in Oberösterreich laut Naturschutzgesetz vollkommen unter Schutz. Der Naturschutzbund bittet daher, die außergewöhnliche Blüte in der Natur zu bewundern und nicht zu pflücken.
 
     
Fotos: Detailaufnahmen Blütenstand vom Gefleckten Aronstab mit aufgeschnittenem Kessel © Julia Kropfberger
 

Mehr als nur Grün

Der Naturschutzbund Oberösterreich stellt im Jahr 2020 unter dem Motto „Mehr als nur Grün“ jedes Monat botanische Kostbarkeiten und „Allerweltsarten“, Pflanzen mit besonderen Ansprüchen an ihren Lebensraum oder Besonderheiten in ihrer Lebensweise vor.

 

 

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