Mehr als nur Grün: Der Wiesen-Salbei

Pflanze des Monats Mai

© Gudrun Fuß

Leuchtend blau zeigen sich jetzt die Blüten des Wiesen-Salbeis (Salvia pratensis), einer typischen Pflanze blüten- und artenreicher Glatthafer-Wiesen. Die blaue Farbe ist für Insekten weithin sichtbar und lockt so potentielle Bestäuber an, die sich am Nektar laben wollen. Dieser ist allerdings tief in der Blüte verborgen und daher nicht für jeden zugänglich. Langrüsselige Hummelarten sind die Hauptadressaten des Salbeis. Ein spezieller Mechanismus sorgt bei ihrem Blütenbesuch fast unter Garantie für eine Bestäubung.

Im vegetativen Zustand ist der Wiesen-Salbei recht unauffällig, seine runzeligen Blätter bleiben nahe am Boden und sind im Wiesengras fast nicht zu sehen. Zu dicht darf die Wiese allerdings nicht sein, denn um gedeihen zu können, benötigt er sehr viel Licht, weshalb er auch häufig auf offenen Standorten und gelegentlich an Wegrändern zu finden ist. Ätherische Öle und die Form seiner Blätter wirken dabei verdunstungshemmend.

Zur Blütezeit von April bis Juli schiebt sich der kantige, stark behaarte Blütenstängel 30 bis 50 Zentimeter in die Höhe. Vier bis sechs blaue, sehr selten auch rosafarbene oder weiße Blüten sitzen in gleicher Höhe am Stängel, alle paar Zentimeter folgt eine weitere Blütenetage, weiß Mag. Gudrun Fuß vom Naturschutzbund Oberösterreich. Während des Wachstums des Stängels bilden sich immer neue Blüten, sodass verblühte und frische Blüten gleichzeitig zu sehen sind.

Ein ausgeklügelter Mechanismus sorgt für die Bestäubung

Der Nektar des Wiesen-Salbeis befindet sich tief im Inneren der Blüten, weshalb vor allem langrüsselige Schmetterlinge wie Bläulinge (Lycaenidae), Weißlinge (Pieris) oder auch der Schwalbenschwanz (Papilio machaon) diese Pflanzenart besuchen. Gemacht sind die Blüten des Wiesen-Salbeis, eines Lippenblütlers, allerdings für den Besuch von Hummeln. Stempel und Staubblätter verlaufen bogenförmig in der Oberlippe. Die Staubblätter sind mit dem Boden der Blütenröhre so verwachsen, dass sie einen Kippmechanismus bilden. Die Hummel klettert bei ihrem Besuch tief in die Blüte, um an den Nektar zu gelangen und drückt dabei gegen den unteren Teil des Mechanismus. Sie betätigt also einen Hebel, der obere Teil neigt sich herab und sie bekommt Pollen auf den Rücken getupft. Die Narbe kann die Pollen der eigenen Blüte jedoch nicht vom Rücken der Hummel aufnehmen, weil sich der Griffel noch zu weit oben befindet. Besucht das Insekt jedoch ältere Blüten, bei denen die Griffel nach unten gebogen sind, dann streift es dort die Pollen ab und es kommt zur Bestäubung.

Mit etwas Glück kann man bei sonnigem, windstillem Wetter selbst beobachten, wie der faszinierende Bestäubungsmechanismus funktioniert. Platzieren Sie sich einfach neben einer Salbeipflanze und sehen Sie den Hummeln bei der Arbeit zu. Sie können es jedoch auch selbst ausprobieren - ein Grashalm vorsichtig in die Blüte eingeführt, ersetzt dabei das Insekt.

Aufgrund der Intensivierung der Landwirtschaft steht der Wiesen-Salbei, eine der typischen Wiesenpflanzen, mittlerweile auf der Vorwarnstufe der Roten Liste Oberösterreichs. Bunte Blumenwiesen können nur durch fachgerechte Bewirtschaftung mit ein- bis zweimalig Mahd und keiner bzw. mäßigen Düngung mit Wirtschaftsdünger erhalten bleiben, so der Naturschutzbund.

          

Fotos: Wiesen-Salbei © G. Fuß                                                                       Wiesen-Salbei mit Honigbiene © pixabay                               Blumenwiese mit Wiesen-Salbei © J. Limberger

Mehr als nur Grün

Der Naturschutzbund Oberösterreich stellt im Jahr 2020 unter dem Motto „Mehr als nur Grün“ jeden Monat botanische Kostbarkeiten und „Allerweltsarten“, Pflanzen mit besonderen Ansprüchen an ihren Lebensraum oder Besonderheiten in ihrer Lebensweise vor.

 

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