Mehr als nur Grün: Die Gewöhnliche Wegwarte

Pflanze des Monats September

Gewöhnliche Wegwarte © Josef Limberger

Eine Pflanze, die im Sommer und Frühherbst die oft tristen Straßenränder mit ihren zahlreichen blauen Blüten schmückt, ist die Gewöhnliche Wegwarte (Cichorium intybus). Der Korbblütler ist eine Pflanze mit einer interessanten Geschichte und vielen Anwendungsbereichen wie beispielsweise als Nahrungsmittel, Arzneimittel und als Zauberkraut. Deshalb möchte der Naturschutzbund OÖ diese Pflanzenart unter der Artikelreihe „Mehr als nur Grün“ im September vorstellen.

Der deutsche Name der Wegwarte leitet sich von ihrem Vorkommen entlang von Straßen, Wegen und Bahndämmen ab. Dies hat sie unter anderem auch ihrer Salzverträglichkeit zu verdanken. Gerade an den Rändern von Straßen, die im Winter durch Streusalz befahrbar gemacht werden, können auf Grund der hohen Salzkonzentrationen nicht viele Pflanzenarten gedeihen.
Der typisch sparrige Wuchs der bis zu 120 cm hohen Pflanze und die drei bis fünf Zentimeter großen lila bis blauen Blütenköpfe machen die Wegwarte beinahe unverwechselbar. Gut zu beobachten ist, dass die Farbe der Blütenköpfe mit zunehmendem Alter ausbleicht, da der Blütenfarbstoff wasserlöslich ist.
 

Blumenuhr und Blümchenkaffe

Die Wegwarte gehört zu einer Gruppe an Pflanzen, die ihre Blüten stets zur gleichen Zeit öffnen und schließen. Sie ist daher auch schon in der vom Botaniker Carl von Linné erstellten Blumenuhr vertreten. Mit Hilfe der Blumenuhr kann die Uhrzeit anhand des Öffnens oder Schließens der Blüten von bestimmten Pflanzen festgestellt werden. Die Wegwarte öffnet ihre Blüten stets um sechs Uhr morgens und ist so auch vielen Berufspendlern ein vertrauter Anblick. Die Blüten schließen sich um zwei Uhr am Nachmittag. Lediglich bei trübem Himmel kann das Schließen der Blüten auch später erfolgen.

Mehrere Kulturformen der Wegwarte, welche auch den weiteren deutschen Namen Zichorie trägt, werden als Salate genossen. Besonders jenen Personen, die bittere Salate lieben, dürften die Kulturformen der Wegwarte Chicorée und Radicchio bestens bekannt sein. Bereits im 17. Jahrhundert wurde die geröstete und gemahlene Wurzel der Zichorie zum Strecken des teuren Bohnenkaffes verwendet und diente später auch als Kaffeeersatzgetränk. Unter dem Namen Blümchenkaffee oder Muckefuck war Zichorienkaffee bekannt und beliebt.

Die Wegwarte wird außerdem seit jeher als Heilpflanze genutzt. Wissenschaftlich belegt ist ihre Wirkung bei Verdauungsbeschwerden und Appetitlosigkeit. Als Zauberpflanze in Liebeszaubern wurden der Wegwarte magische Kräfte zugesprochen, welche einem den Zukünftigen im Traum erscheinen lassen oder die Treue des Geliebten sichern sollte.

In Europa, in Westasien und im Norden Westafrikas ist die Wegwarte heimisch. In Nord- und Südamerika sowie im restlichen Afrika wurde die Pflanze eingeschleppt und gilt dort als Neophyt. Für Wildbienen und Schwebfliegen dienen Nektar und Pollen der Wegwarte als Nahrung. Im Herbst und Winter freuen sich Vögel über ihre Früchte. Aus diesen Gründen sollte die Wegwarte auch in jedem naturnahen Garten einen Platz haben, was dafür spricht nicht jede Ecke und nicht genutzte Fläche im Garten von Unkraut zu befreien und mit dem Rasenmäher kurz zu halten, da sich die Wegwarte zumeist genau dort wohlfühlt.

   

Fotos © J. Limberger, C. Leitner, G. Fuß

Mehr als nur Grün

Der Naturschutzbund Oberösterreich stellt im Jahr 2020 unter dem Motto „Mehr als nur Grün“ jeden Monat botanische Kostbarkeiten und „Allerweltsarten“, Pflanzen mit besonderen Ansprüchen an ihren Lebensraum oder Besonderheiten in ihrer Lebensweise vor.

Pflanzen melden auf Naturbeobachtung.at!

 

 

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