Rekordjahr bei Wiedehopf-Bruten in Oberösterreich

Wiedehopfe führen eine monogame Saisonehe. © R. Maliha

Absolutes Rekordjahr 2026 bei Wiedehopf-Bruten in Oberösterreich seit Beginn des Artenschutzprojektes 2019

Streuobstwiesen, jahrhundertelang ein vertrautes Bild unserer Kulturlandschaft, sind stark im Rückgang begriffen. Gründe dafür sind der hohe Pflege- und Arbeitsaufwand und damit verbunden die Nutzungsaufgabe sowie Billigimporte von Obst aus dem Ausland. Mit ihnen verschwinden auch ihre gefiederten Bewohner, beispielsweise der Wiedehopf (Upupa epops). Einst ein häufiger Brutgast im Sommerhalbjahr, ist der Streuobstwiesenbewohner heute nur noch sehr selten zu beobachten – mit Ausnahme von heuer!

Allein zwischen 1965 und 2000 ist die Fläche der Streuobstwiesen in Mitteleuropa um rund 70 Prozent geschrumpft. Gründe dafür sind der hohe Pflege- und Arbeitsaufwand und damit verbunden die Nutzungsaufgabe sowie Billigimporte von Obst aus dem Ausland. Was nach Statistik klingt, bedeutet in der Realität einen drastischen Verlust an Lebensraum für unzählige Tierarten. Besonders deutlich wird das bei jenen, die auf alte, höhlenreiche Obstbäume zum Brüten angewiesen sind. Ihre Bestände werden zusehends kleiner, einige Arten sind schon fast gänzlich aus unserer Kulturlandschaft verschwunden.

Streuobstwiesen gehören zu den artenreichsten Lebensräumen Mitteleuropas, mit geschätzten 5.000 Tier- und Pflanzenarten. Durch das Engagement für den Wiedehopf und dessen Lebensraum werden daher auch viele andere Arten unterstützt.

Artenschutzprojekt für den Wiedehopf in Oberösterreich

Der Naturschutzbund Oberösterreich hat im Jahr 2019 ein Artenschutzprojekt für den Wiedehopf gestartet – mit ersten Erfolgen und viel Zukunfts-Optimismus zur Etablierung und Erhaltung einer stabilen Population im Oberen Mühlviertel, im Östlichen Zentralmühlviertler Hochland sowie im südlichen Traunviertel. Der auffällige Vogel mit markanter Federhaube und charismatischen „up-up-up“ Ruf ist in Oberösterreich vom Aussterben bedroht. Dank der intensiven Schutzmaßnahmen wie dem Aufstellen spezieller Nistkästen konnten schon damals einige brütende Wiedehopf-Paare in Oberösterreich festgestellt werden.

2026 deutlich mehr Naturbruten

„Nur mit Öffentlichkeits- und Aufklärungsarbeit sowie der Zusammenarbeit mit Besitzer:nnen und Bewirtschafter:innen von Streuobstwiesen und Obstgärten können wir den Wiedehopf dauerhaft schützen und erhalten“, sagt Heidi Kurz, Leiterin des Wiedehopf-Projekts des Naturschutzbundes Oberösterreich. „Es freut mich ganz besonders, dass es heuer deutlich mehr Naturbruten in Baumhöhlen wie Eiche, Pappel, Kirsche, Apfel, und Birne gibt als in den letzten Jahren. Begonnen hat alles im Jahr 2019 mit einer Handvoll Bruten und nun liegen wir mit Ende Juni bei annähernd 30 Bruten im gesamten Bundesland, das ist absoluter Rekord!“

Verbreitungsschwerpunkte und Hot Spots

Der Wiedehopf ist ein Langstreckenzieher und überwintert in Afrika südlich der Sahara. Der Naturschutzbund Oberösterreich hat im heurigen Frühjahr die Bevölkerung aufgerufen, Beobachtungen und Sichtungen von Wiedehopfen zu melden. Daraufhin kamen nahezu aus allen Teilen des Landes im April und Mai Nachrichten von Durchzüglern oder rastenden beziehungsweise nahrungsaufnehmenden Wiedehopfen an. Wie sich schon in den letzten Jahren gezeigt hat, liegen die Schwerpunkte brütender Wiedehopfe im östlichen Bereich des Bezirks Freistadt und im Oberen Mühlviertel rund um die Hot Spots Niederwaldkirchen und Herzogsdorf. Erstmalig nachgewiesene Bruten gab es heuer auch aus dem klimatisch begünstigen Oberösterreichischen Ennstal in Richtung Mollner Becken.

Klimaprofiteur und Sympathievogel

Warme trockene südost-exponierte Hänge, Magerwiesen, schüttere Böden, Weidegebiete, unasphaltierte Wege, kurzrasige Flächen, Streuobstwiesen sowie offene Landschaft mit lichten eingestreuten Waldinseln und viele Großinsekten sowie deren Entwicklungsstadien als Nahrung bieten dem Wiedehopf ideale Bruthabitate, davon dürfte er heuer ganz besonders profitieren. Darüber hinaus ist der exotisch wirkende, auffällig gefärbte und „schmetterlingshaft“ fliegende Wiedehopf ein wahrer Liebling bei der Bevölkerung, denn seine Leibspeise sind mitunter auch Maulwurfsgrillen.

Zweite Brut im Juli möglich

Da es heuer außergewöhnlich viele Sichtungsmeldungen im Frühjahr gab, ließ das auf ein erfolgreiches Brutjahr hoffen. Nach der Paarfindung und dem Besetzen einer Ganz- oder Halbhöhle legt das Weibchen fünf bis neun Eier, die drei Wochen lang ausschließlich vom weiblichen Wiedehopf bebrütet werden. Das Männchen versorgt sie währenddessen mit Nahrung. Die Aufzucht der Jungen dauert etwa drei bis vier Wochen. Außerhalb des Nestes werden die Jungvögel noch weiter versorgt und bleiben zirka einen Monat im Familienverband. Nachweislich belegt ist, dass Wiedehopfe sehr brutorttreu sind und jährlich wieder zum Brut- und Geburtsort zurückkehren. Normalerweise bildet der monogam lebende Wiedehopf so einer Saisonehe mit einer Jahresbrut, ausnahmsweise gibt es Zweitbruten, wie zum Beispiel 2023 im Oberen Mühlviertel, beide Male in einer Spezialnisthilfe des Naturschutzbundes Oberösterreich.

Wussten Sie, dass …

Wiedehopfe, vor allem Nestlinge und Weibchen, als Schutz vor Feinden eine besondere Strategie haben? Sie sondern ein übelriechendes Sekret aus der Bürzeldrüse ab und können so oftmals Fressfeinde in die Flucht schlagen. Zusätzlich spritzen größere Nestlinge auch den Kot aus der Nisthöhle. Umgangssprachlich werden sie daher auch als „Stinkevogel“ bezeichnet.

Gefördert wird das Artenschutzprojekt seit einigen Jahren von der Steuerberatungsfirma BDO sowie privaten Spender:innen und basiert auf eine enge Kooperation mit der Vogelschutzorganisation BirdLife Österreich.

Der Naturschutzbund Oberösterreich freut sich über Wiedehopf-Beobachtungen gerne per E-Mail und mit Foto an oberoesterreich@naturschutzbund.at oder auf unserer Plattform www.naturbeobachtung.at mit Bild beziehungsweise der gleichnamigen App.

Fotos: Wiedehopfe brüten gerne in Höhlen alter Bäume. Derzeit fliegen die Jungen der ersten Brut aus. © H. Luger & S. Jeschke

01.07.2026

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