Weißstorch in Oberösterreich: Erfreuliche Rückschau 2025

Foto: Brütender Weißstorch in St. Georgen im Attergau; © M. Brandner
17 Brutpaare schafften die erfolgreiche Aufzucht von insgesamt 46 Jungstörchen!
 
Der Weißstorch-Experte des Naturschutzbundes Oberösterreich Robert Gattringer ist zufrieden: Im Jahr 2025 kam es in Oberösterreich erneut zu vier Neuansiedelungen des Weißstorchs. Neue Horste wurden in Aigen-Schlägl, Rainbach, St. Georgen im Attergau und Perg (Hundetrainingsplatz) gegründet.

Insgesamt konnten in Oberösterreich 22 Brutpaare festgestellt werden. Von diesen Paaren waren 17 Horstpaare erfolgreich, das heißt, sie konnten Jungvögel aufziehen. Insgesamt sind 46 Jungstörche aus oberösterreichischen Horsten erfolgreich ausgeflogen. Dies ergibt einen relativen Bruterfolg von 2,09 Jungvögeln pro Horstpaar.

Besonders hervorzuheben ist der Horst in Perg (Bahnhof), wo fünf Jungvögel geschlüpft und alle erfolgreich ausgeflogen sind – ein außergewöhnlich gutes Ergebnis. Auch die Horste in Weißenkirchen/Moos, Reichenthal, Haslach und Ulrichsberg zeigten sehr gute Bruterfolge: An allen vier Standorten wurden jeweils vier Jungstörche erbrütet, die ebenfalls alle erfolgreich aufgezogen und ausgeflogen sind.

Leider wurden die im Vorjahr neu besiedelten Horste in Neukirchen an der Vöckla und Leonstein heuer nicht mehr besiedelt. Damit zeigt sich, dass manche Neuansiedelungen noch nicht dauerhaft stabil sind und der Bestand regionalen Schwankungen unterliegt.

In Arbing kam es heuer zu keinem Brutversuch, da das Weibchen eine Verletzung des Intertarsalgelenk aufwies. Durch die daraus resultierende Bewegungseinschränkung – das betroffene Bein konnte nicht mehr abgebogen werden – war es dem Weibchen nicht möglich, sich auf den Horst zu setzen und zu brüten. Auch in St. Oswald bei Freistadt war erneut ein Storchenpaar anwesend. Es besetzte den bestehenden Horst, jedoch kam es zu keiner Brut.

Besonderes Ereignis

In Bad Leonfelden kam es zu einer Rettungsaktion eines Jungstorches. Der junge Vogel war beim Ausfliegen abgestürzt und in ein aufgelassenes, noch gefülltes Schwimmbecken gefallen. Der geschwächte Storch konnte von der Feuerwehr geborgen und an die Tierrettung Freistadt übergeben werden. Nach erfolgreicher Pflege und Aufpäppelung wurde der Jungstorch zwei Tage später wieder zum Horst zurückgebracht und freigelassen. Dieses Beispiel zeigt eindrucksvoll das engagierte Zusammenspiel von Bevölkerung, Feuerwehr und Tierschutz beim Schutz der heimischen Storchenpopulation.

Insgesamt kann die Weißstorchsaison in Oberösterreich als durchaus erfolgreich bezeichnet werden. Trotz einzelner Ausfälle und unbesiedelter Horste zeigt sich eine positive Entwicklungstendenz mit stabilen und zum Teil sehr produktiven Brutpaaren.

Foto: Ersatzplattform in St. Georgen im Attergau; © M. Brandner

St. Georgen im Attergau

Im Jahr 2023 kam es zu einem Brutversuch auf einem Hochspannungsmast. Da dieser jedoch aus Sicherheitsgründen – es hängen mehrere Großbetriebe an diesem Netz – nicht zugelassen werden konnte, wurde der Horst durch die Netz Oberösterreich entfernt. In Absprache mit mir wurde anschließend eine Ersatzplattform errichtet und in unmittelbarer Nähe zum ursprünglichen Standort aufgestellt.

Das Storchenpaar nahm das neue Quartier jedoch nicht an, und auch im Jahr 2024 blieb der Horst unbesetzt.

Im Frühjahr 2025 schien sich die Situation zu verbessern: Am 17. April 2025 konnte erstmals wieder ein Storchenpaar auf dem Horst beobachtet werden. Rund acht Tage später begann das Paar mit der Brut, und am 28. Mai 2025 wurde erstmals das Füttern der Jungvögel festgestellt. Es konnten zwei Jungstörche nachgewiesen werden.

Der Brutverlauf verlief zunächst unauffällig, doch am 11. Juni 2025 musste festgestellt werden, dass die Jungstörche aus unbekannter Ursache verendet waren.

Die Altstörche wurden letztmalig am 10. September 2025 am Horst gesehen. Informationen und Foto: © Monika Brandner)

Foto: Altvogel füttert jungen Weißstorch; © K. Kaiser

Aigen-Schlägl

Am 3. April 2025 konnte auf dem Gelände der Firma GartenVerde erstmals ein Storchenpaar beim Versuch beobachtet werden, auf einer Granitsäule einen Horst zu errichten. Da der Abschluss der Säule schräg verläuft, hielt das Nistmaterial zunächst nur schlecht, und die Äste rutschten immer wieder ab. Doch wie bei Störchen häufig zu beobachten ist, gelang es schließlich auch diesem Paar, einen stabilen Horst zu bauen.

Am 17. April 2025 sorgte starker Wind mit Sturmböen dafür, dass der Horst von der Säule geweht wurde. Karl Kaiser, der den abgestürzten Horst entdeckte, informierte Reinhold Petz, den Einsatzleiter der Bergrettung Böhmerwald. Gemeinsam suchten sie das Gespräch mit der Firmenleitung von GartenVerde, die sich bereit erklärte, den Störchen eine Nisthilfe zur Verfügung zu stellen.

Herr Petz verständigte daraufhin seine Kollegen von der Bergrettung, die in der Werkshalle der Firma GartenVerde eine stabile Nisthilfe bauten. Das Material und die Werkzeuge wurden von der Firma kostenlos bereitgestellt. Am folgenden Tag wurde die neue Plattform mithilfe eines Kranwagens der Firma DreiHans auf der Granitsäule montiert. Auch das abgestürzte Nistmaterial wurde wieder auf die neue Nisthilfe gelegt. Informationen und Foto: © Karl Kaiser

Foto: Altvogel am Horst; © H. Kurz

Rainbach im Mühlkreis

Am 24. Mai 2025 wurde in Rainbach auf einem Handymast einen Storchenhorst entdeckt, auf dem auch gebrütet wurde. Reinhard Zeiner übernahm freundlicher-weise die regelmäßige Beobachtung des Horstes und informierte laufend über den Brutverlauf.

Genaue Daten zum Brutbeginn liegen leider nicht vor. Auf Nachfrage konnte jedoch in Erfahrung gebracht werden, dass bereits im Vorjahr (2024) mit dem Bau des Horstes begonnen worden war. Der Horst wurde damals von der Mobilfunkfirma entfernt, da es Beschwerden über eine Verschlechterung des Handyempfangs gegeben hatte. Im Jahr 2025 wurde der Horst jedoch nicht mehr beseitigt.

Mitte Juni 2025 konnten erste Fütterungen beobachtet werden. Später stellte sich heraus, dass sich zwei Jungstörche im Nest befanden. Beide Jungvögel flogen erfolgreich aus und zogen um den 25. August 2025 in ihr Winterquartier ab. Wenig später verließen auch die Altstörche das Brutgebiet. Informationen von Reinhard Zeiner und Heidi Kurz, Foto: © Heidi Kurz).

Foto: Brütender Weißstorch auf einem Flutlichtmast; © R. Gattringer

Perg (Hundeabrichteplatz)

Mitte Mai 2025 begann ein Weißstorchenpaar mit dem Bau eines Horstes auf einem Flutlichtmast am Hundeabrichteplatz in Perg. Am 1. Juni 2025 wurde mit der Brut begonnen. Bereits am 21. Juni 2025 wurde die Brut jedoch abgebrochen.

Das Storchenpaar blieb anschließend noch einige Zeit in der Umgebung und schloss sich zeitweise einem Trupp weiterer Weißstörche an, die sich im Zeitraum von Mitte Mai bis Ende Juli regelmäßig in Perg und Umgebung aufhielten.

Vermutlich ging das Brutpaar aus diesem Trupp hervor. Es bleibt abzuwarten, ob im kommenden Jahr ein erneuter Brutversuch erfolgt. Informationen von Alfred Kapplmüller; Foto: © Robert Gattringer)

Text: Weißstorch-Experte des Naturschutzbundes Oberösterreich; Robert Gattringer

05.01.2026

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