Hände weg von Jungvögeln!

Naturschutztipp des Naturschutzbundes Oberösterreich

Waldkauz-Ästling © H. Kurz

Im Frühling trifft man häufig auf scheinbar hilfsbedürftige Vogelkinder. Doch nicht jeder Jungvogel ist tatsächlich in Not. Ist das Tier bereits befiedert, handelt es sich um einen sogenannten Ästling, weiß die Naturschutzbund-Biologin Mag. Heidi Kurz.

Amseln und viele weitere Singvögel sowie Eulen und Greifvögel durchleben diese Ästlingsphase: ein Zeitraum, in dem sie noch nicht voll flugfähig sind, aber sich bereits außerhalb ihres Nestes aufhalten. Unter Anleitung ihrer Eltern erkunden sie die Umgebung, trainieren ihre Flugfähigkeit und die eigenständige Nahrungssuche und werden, je nach Vogelart, noch einige Tage bis Wochen von den Altvögeln mit Futter versorgt und beschützt.

Die Zeit zwischen dem Verlassen des Nestes und dem Erlangen der Selbstständigkeit ist für Wildvögel die gefährlichste Phase ihres Lebens. Die Elterntiere müssen ihren Nachwuchs oft allein lassen, um nach Futter zu suchen. Währenddessen hüpfen die Ästlinge mehr oder weniger schutzlos im Geäst umher. Mit lauten und für unsere Ohren oft herzzerreißenden Rufen halten die Kleinen mit ihren Eltern Kontakt. Ihre Stimme lockt allerdings auch so manchen hungrigen Fressfeind an. Sind Unterschlupfmöglichkeiten wie zum Beispiel Hecken und Reisighaufen vorhanden, bleiben die kleinen Schreihälse jedoch meist unentdeckt.

Doch auch wir Menschen, die wir die vermeintlich verwaisten Vögel einsammeln, bringen sie in Lebensgefahr, da eine Handaufzucht schwierig, zeitintensiv und dennoch meist nicht von Erfolg gekrönt ist. Ein Eingreifen ist nur dann nötig, wenn sich die Jungvögel in der Nähe oder sogar auf der Straße befinden oder anderen Gefahrenquellen ausgesetzt sind. Hier hilft es, sie in das nächste Gebüsch oder in einen niedrigen Baum in unmittelbarer Umgebung des Fundortes zu setzen. Denn dann finden die Altvögel ihre Kinder wieder und versorgen sie weiterhin.

Nackte Vogeljunge sollte man möglichst wieder vorsichtig ins Nest zurücksetzen, appelliert der Naturschutzbund Oberösterreich. Im Gegensatz zu Säugetieren nehmen Vögel ihre Jungen weiterhin an, auch wenn sie vom Menschen berührt wurden.

Eulen und Greifvögel, die einer Aufzucht oder Pflege bedürfen, können auf die Greifvogel- und Eulenschutzstation OAW des Naturschutzbundes Oberösterreich nach Linz/Ebelsberg gebracht werden.

 

 

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